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Psychose-Seminar – was für eine merkwürdige Bezeichnung? Was hat es damit auf sich?
Herausfinden konnte man dies am 08.11.2016 in den Räumen der VHS in Geesthacht, wo die Veranstaltung an jedem zweiten Dienstag im Monat ab 17:00 Uhr regelmäßig zu unterschiedlichen Themen stattfindet.
Gut ein Dutzend Menschen haben sich im Raum 11 der VHS, der an ein Klassenzimmer erinnert, eingefunden, um sich dem Thema „Selbstverletzung / es tut so weh – ich tue mir weh“ zu widmen. Bereits nach den einleitenden Worten von Udo Spiegelberg, der zu den Mitorganisatoren des Treffens gehört und durch den Abend führt, wird allerdings klar, dass es sich bei diesem Seminar gerade nicht um eine Lehrveranstaltung handelt. Vielmehr geht es im Verlauf um den Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen, professionellen Helfern und anderen Interessierten, der, so umschreibt es Udo Spiegelberg, vom wertschätzenden Miteinander und aktivem Zuhören geprägt sein soll.
Ausgehend von der Überlegung, ob sich das Ritzen, als „Paradebeispiel“ der Selbstverletzung, im Grunde von anderen Arten der Selbstgefährdung, wie z. B. Extremsportarten, unterscheidet, bringen die Beteiligten eigene Sichtweisen und sehr persönliche Erfahrungen ein. Als roter Faden ziehen sich vor allem „Selbst-Begriffe“ durch die Beiträge: Von der Selbstverletzung als Ausdruck des Verlustes von Selbstbeherrschung und einer Form von Selbstbestrafung, über Selbstliebe und Selbstschätzung als Kraftquellen, bis hin zu Selbstreflexion und Selbststeuerung als Mittel zur Veränderung und Genesung. Daneben werden viele andere Faktoren, wie z.B. Liebe, Vertrauen, Familie, Erziehung, Kritikfähigkeit, Traumaverarbeitung u.v.m., genannt, die für die Gesprächsteilnehmer in ihrem Umgang mit dem Thema von Bedeutung waren. Bemerkenswert ist, dass die Borderline-Störung, die gemeinhin eng mit einer Selbstverletzung verknüpft wird, erst gegen Ende der Veranstaltung und auch nur am Rande gestreift wird.
Fazit des Abends ist, dass im Psychose-Seminar den Teilnehmern nichts beigebracht, erklärt oder ein Leitfaden an die Hand gegeben wird. Auch wenn in der Runde mitunter eine Antwort gesucht, der ein oder andere Ratschlag erteilt oder ein Verhaltensmuster dargelegt wird, ist es nicht das Ziel der Organisatoren, Lösungen auf konkrete Fragen oder Probleme zu präsentieren.
Die menschliche Psyche mit all ihren individuellen Ausprägungen ist zu komplex, als dass dies innerhalb von knapp zwei Stunden gelingen könnte. Es mag sogar sein, dass man den Raum hinterher mit einer Frage mehr als vorher verlässt. Das Psychose-Seminar bietet den Anwesenden bestenfalls die Gelegenheit, sich aus den oben genannten Versatzstücken ein eigenes Bild zu machen, damit einen Erkenntnisgewinn mit nach Hause zu nehmen, um diesen für das eigene Verständnis, Denken und Handeln in Bezug auf das weite Feld „Psychische Erkrankungen“ zu nutzen. Das Seminar ist insofern nicht erschöpfend, kann aber, sowohl für Betroffene als auch Außenstehende, bereichernd sein.
Am 13.12.2016 um 17:00 Uhr kann man sich dazu zum Thema „Vertrauen in seelischen Krisen“ selbst ein Bild machen.

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