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Die Bedeutung der Psychoseseminare für die Entwicklung der Beziehung zwischen Psychiatrieerfahrenen und Profis
Die Bedeutung der Psychoseseminare für die Entwicklung der Beziehung zwischen Psychiatrieerfahrenen und Profis
Zunächst einmal sind Psychoseseminare ganz gewöhnliche Orte, an denen Psychiatrieerfahrene und Profis über psychische Erkrankungen reden. Das findet in jeder professionellen Betreuung statt; in der Ambulanten Betreuung, in Wohngruppen und Wohnheimen; selbst in Arbeitspojekten und Werkstätten ist es eine Frage der Zeit, dass BetreuerInnen und AnleiterInnen von dem/der NutzerIn erfahren haben, welches seine/ihre persönliche (Leidens-) geschichte ist.
Und doch ist das Psychoseseminar ungleich anders!
Die Beziehung zwischen den Personen ist eine andere. „Augenhöhe“ ist ein vielleicht vielfach strapaziertes Wort und doch einzigartig in der Beschreibung, worum es geht. „Sich auf Augenhöhe zu begegnen“ heißt, nicht als Kranker und als Heiler oder als Hilfebedürftiger und als Helfer aufeinanderzutreffen. Es geht um Erfahrungen mit Erkrankungen; und da sind alle Erfahrungen einzigartig und gleichberechtigt wichtig.
Im Psychoseseminar erlebt der/die Psychoseerfahrene eine Offenheit, die ihm/ihr so in der Regel nicht widerfährt. Warum sprechen so viele Menschen, die von ihren Erfahrungen im Psychoseseminar berichten, davon, dass ihnen diese Erfahrung neu ist: Es hört ihnen jemand zu, empfindet mit ihnen, erträgt Tränen und lässt Zeit. Dass dies Menschen widerfährt, die im hektischen Alltag kein offenes Ohr finden, wird nicht verwundern, aber es sind auch Menschen, die seit längerer Zeit in Betreuung sind. Reden wir Profis nicht oder nicht genügend mit den Menschen oder reden wir nicht richtig?
Das Berichten von persönlichen und häufig sehr schmerzhaften Erfahrungen im Psychoseseminar hilft, Mitgefühl zu spüren und Traumata zu überwinden. Das stärkt!
Das Psychoseseminar ist eine (wenn auch nicht die einzige) wichtige Voraussetzung dafür, dass Psychiatrieerfahrene lernen, eigene Bedürfnisse zu formulieren und für sie einzutreten. Psychoseseminar macht selbstbewusst. Psychoseseminar ist eine Voraussetzung für Empowerment.
Damit das gelingt, soll das Psychoseseminar nicht für Psychoseerfahrene gemacht werden, sondern mit ihnen. Es ist keine Veranstaltung, zu der der/die Psychiatrieerfahrene geht, um etwas zu lernen. Eher andersherum: Für Profis ist das Psychoseseminar ein Lernfeld!

Udo Spiegelberg April 2016

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